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Daniele Buetti

Daniele Buetti

May Be You Can Be One of Us.

Kunsthalle Recklinghausen

5. Oktober bis 23. November 2008

Eröffnung am Samstag, dem 4. Oktober

um 17 Uhr in der Kunsthalle Recklinghausen

um 20 Uhr im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

DanieleBuettiVeronique20072008a

Die Kunsthalle Recklinghausen präsentiert gemeinsam mit dem Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr unter dem Titel Maybe You Can Be One of Us Daniele Buetti. Sie und stellt die erste Einzellausstellung des international renommierten Künstlers in Nordrehin-Westfalen dar.

Daniele Buetti zählt zu den wichtigsten Vertretern der Schweizer Gegenwartskunst. Sowohl für Mülheim an der Ruhr als auch für Recklinghausen hat er neue, sich aufeinander beziehende Installationen entworfen.
 

Maybe You Can Be One of Us lockt den Besucher mit diesem verheißungsvollen und verführerischen Angebot in höchst ambivalente Räume: In Räume, die von Widersprüchlichkeiten begleitet sind und in denen ein subtiles Wechselspiel stattfindet zwischen der Zerstörung von Oberfläche und Erwartungshaltungen beim gleichzeitigen Generieren von Inhalt und Aura.

Für Mülheim an der Ruhr hat Daniele Buetti eine raumgreifende Installation entwickelt, die sich über das gesamte Obergeschoss erstreckt. Auf einer Verbindungswand zwischen den großen Räumen, steht in der Handschrift des Künstlers ein kurzer Satz, der nicht so recht zu den kindlich wirkenden Lettern passen will: Das frivole Ich will Dich erfährt durch das folgende so martern seine gewaltvolle Präzision. Schließlich sind die Worte dass die Sonne durch Dich scheinen möge zu lesen, welche die Arbeit durch den Konjunktiv in den Bereich des Wünschens und Sehnens verorten. In Reminiszenz auf George Batailles „Tränen des Eros“ spielt Buetti mit Vorstellungen und Klischees, indem die Worte zwischen sexueller Begierde und Gewalt, Verheißung und Strafe, Wunsch und Absicht oszillieren.

Beim Betreten der groben Holzplanken, welche den Boden bedecken und die Räume auch optisch in Beziehung zueinander setzen, kommt man der möglichen Verheißung ein Stück näher. Auf der Stirnseite der Wand leuchtet dem Besucher das Wort ICH entgegen, das trotz seiner Kürze den gesamten Raum einzunehmen scheint. Die Lichtinstallation fungiert gewissermaßen als Spiegel. Zurückgeworfen auf sich selbst, beginnt im Betrachter unmittelbar die Reflexion über die eigene Person, die sich in der eigenen Verortung zum Raum und dem Gesehenen erweitert. Angesichts der überproportionalen Buchstaben erscheint die eigene Person klein, doch sie schmeicheln zugleich dem Narzissmus, der in jedem Menschen schlummert.

Lockt der Ort mit schummriger Rohbauatmosphäre, so ragen im gegenüberliegenden Raum in stummem Protest einfache Holzschilder in die Höhe. Sie tragen behelfsmäßig montierte Fotografien von trauernden, weinenden Menschen. Die melancholisch-schönen Bilder scheinen durch ihre perforierten Gesichter aus Augen und Poren Tränen aus Licht zu weinen. Durch die besondere Bearbeitung des Bildmaterials rückt Buetti die Aufnahmen ikonografisch in die Nähe des Katholizismus mit seinen Andachtsriten und Bildern. Gleich der mittelalterlichen Heiligenverehrung fungieren die säkularen Konterfeis heutiger Glorien als Projektionsfläche für das immer währende Bedürfnis nach identitätsstiftender Gemeinschaft.

Einen weiteren Raum inszeniert der Künstler als eine Art Archiv mit Skizzen, Zeichnungen, Collagen, Fundstücke oder Fotos in Vitrinen, die das Ausgangsmaterial für seine großen Arbeiten bilden.

In der Kunsthalle Recklinghausen bespielt Daniele Buetti drei Etagen, die er zu einem einzigen Klangraum verbindet. Der Klang speist sich aus Tonquellen, die beim Betreten des ehemaligen Bahnhofsbunkers zunächst nicht ersichtlich sind. Es sind unterschwellige, kontinuierlich wechselnde Klangfarben, die von verschiedenen Anschlaggeräuschen und Luftrauschen begleitet sind: Diese Töne tauchen die Kunsthalle in ein herausforderndes, zwiespältiges Kolorit. In die ansonsten visuelle Leere des Erdgeschosses und des ersten Stocks kullern ab und an kleine, schmutzige Bälle. Geht der Besucher, gelockt durch die Bälle und den Klang – auf der Suche nach den Ursachen – die Treppe höher in die oberste Etage, so erwartet ihn ein anderes Szenario. Dort stehen fünf Ballwurfmaschinen, die Bälle per Zufallsgenerator auswerfen. Sie prallen gegen Wände, hinterlassen dort ihre Spuren, bleiben auf dem Boden liegen und torkeln hin und wieder in die unteren Etagen. Die Maschinen sind die Klangquellen der Inszenierung: Motor, Mechanik, Abwurf und Abprall an den Wänden weben den Geräuschteppich. Das Unternehmen scheint weniger einem Handlungsschema zu folgen, sondern kommt einer „Bredouille“ im „Niemandsland“ gleich. „Code of Conduct“ könnte der Untertitel dieser Arbeit lauten. Fragen über Kontrolle und Wirkung gesellschaftlicher Normen, eines moralischen Codex, polt Buetti unmerklich in Gefühle von Desorientierung um. Denn der Besucher wird, folgt er den Verlockungen des Sounds und der Bälle unweigerlich einer Situation ausgesetzt, in der er sich schützen und seine eigene Position finden muss.

Daniele Buetti, international bekannt durch seine Leuchtkästen, Fotografien und Installationen von künstlich durch Kugelschreibertätowierung gezeichnete Topmodels, hat sich in jüngster Zeit auf das Groteske konzentriert. Komplexe Installationen lösen im Betrachter archetypische Gefühle aus, evozieren

Assoziationen von Gewalt, Verfall und Zersetzung und beschwören Buettis Interpretation der „Comédie Humaine“ herauf: Das Leben, eine große Freak Show.

Die Ausstellung an zwei Stationen Maybe You Can Be One of Us zeigt verschiedene Facetten von Daniele Buettis neuestem Werkzyklus. Er überführt sein altes Thema der Untersuchung des Phänomens von Gruppenzugehörigkeiten, von kulturellen, ökonomischen und sozialen Bindungen und ihrer Widersprüchlichkeiten in nachhaltig beeindruckende Installationen.

Daniele Buetti (geb. 1955 in Fribourg, lebt in Zürich und Münster) ist seit 2004 Professor an der Kunstakademie Münster. Zahlreiche Ausstellungen weltweit, u. a.: Swiss Institute, New York (2008); Sprengel Museum, Hannover (2008); The Columns, Center for Contemporary & Performative Arts, Seoul (2008); Schirn Kunsthalle, Frankfurt (2006); Sala Rekalde, Bilbao (2006); FRAC, Fonds Régional d’Art Contemporain, Marseilles (2004); Kunstraum, Innsbruck (2005); Henie Onstad Kunstsenter, Hovikooden (2004); Helmhaus, Zürich (2003); Migros Museum, Zürich (2000); MNCARS, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid (1999).

 

Weitere aktuelle Ausstellungen des Künstlers:
Sprengel Museum Hannover
31. August – 23. November 2008, Gruppenausstellung
Hannover Goes Fashion: DRESSing the MESSAGE. Transformationen von Kunst und Modehttp:
http://www.sprengel-museum.de

 

Galerie Haunch of Venison, Zürich
30. August – 11. Oktober 2008, Einzelausstellung
Daniele Buetti. Snowflakes Over a Burnig House”
http://www.haunchoofvenison.com

 

 

Monografie

Daniele Buetti – Maybe You Can Be One of Us

Mit Texten von Jacqueline Burkhardt, Beate Ermacora, Gianni Jetzer, Ferdinand Ullrich, David Velasco, erschienen im Hatje Cantz Verlag, 215 S., 24,00 €.

 

Shuttlebusse am Eröffnungstag

Am Eröffnungstag fahren Shuttlebusse zwischen dem Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr und der Kunsthalle Recklinghausen

 

Künstlergespräche

Daniele Buetti im Gespräch mit Dr. Beate Ermacora und Prof. Dr. Ferdinand Ullrich

Sonntag, 2.11.2008, 14 Uhr Kunsthalle Recklinghausen,

Sonntag, 2.11.2008, 16 Uhr Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

 

Bilderstreit bei 3sat

Samstag, 18.10.2008, 22.30 – 23.30 Uhr

 

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Führungen des Mülheimer Kunstvereins

12.10. / 26.10. / 30.11., 11 Uhr

Matinee des Mülheimer Kunstvereins

So 16.11., 11 Uhr

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Viktoriaplatz/Platz der ehemaligen Synagoge 1
45468 Mülheim an der Ruhr

Tel.: +49 (0) 2 08 / 4 55 41 38
Fax: +49 (0) 2 08 / 4 55 41 34
kunstmuseum@stadt-mh.de
www.kunstmuseum-mh.de

 

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr 11-17 Uhr, Do 11-21 Uhr
Sa, So, 03.10. 10-17 Uhr
Mo, 01.11. geschlossen

 

Kunsthalle Recklinghausen

Führungen

So 11 Uhr, Do 12 Uhr

Kunsthalle Recklinghausen

Große-Perdekamp-Str. 25-27
45657 Recklinghausen
Tel.: +49 (0) 23 61 / 50 19 35
Fax: +49 (0) 23 61 / 50 19 32
info@kunst-re.de
www.kunst-re.de

 

Öffnungszeiten:
Di bis So, Feiertage 11-18 Uhr
Mo geschlossen

 

Mit freundlicher Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, prohelvetia Schweizer Kulturstiftung, Schweizerisches Generalkonsulat und WDR 3 – Kulturpartner der Kunsthalle Recklinghausen.

Ballwurfmaschine01klein
Ballwurfmaschine02klein
Tennisball03klein

Edition des Fördervereins für Bildende Kunst Recklinghausen:

Daniele Buetti

Titel: Träne
Jahr: 2008
Technik: Tennisball, China-Tusche, Holzsockel aus Eiche
Maße: ca. 12x16x8
Auflage: 600 Exemplare
signiert und numeriert
Preis: 30 Euro

Hinweis:
Die komplette Edition ist erst nach Ende der Ausstellung verfügbar, da es sich bei den mit Tusche eingefärbten Tennisbällen um Exponate aus der Ausstellung handelt.

Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen

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