Ikonen des Monats

Die heilige Julitta und ihr Sohn Kyrikos mit zwanzig Szenen aus ihrem Leben, Russland (Malerdörfer bei Vladimir), 1. Hälfte 19. Jh.

"Ikone des Monats" Juli 2017: Die heilige Julitta und ihr Sohn Kyrikos

 

Die heilige Märtyrerin Julitta lebte am Ende des 3. Jahrhunderts in Ikonium (heute die tür­kische Provinz Konya im Herzen Anatoliens). Während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian floh sie mit ihrem kleinen Sohn Kyrikos zunächst nach Seleukia-Ktesiphon am Tigris und später nach Tarsos in Kilikien. Dort wurden die beiden gefangen genommen und vor den Richter geführt, der die Mutter durch Schläge foltern ließ. Daraufhin wehrte sich der kleine Kyrikos und wurde vor den Augen der Mutter auf dem Boden zerschmettert. Dennoch blieb Julitta standhaft und wurde schließlich enthauptet.

Die Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten), Griechenland, Mitte 18. Jahrhundert

"Ikone des Monats" Juni 2017: Die Ausgießung desHeiligen Geistes (Pfingsten)

 

Pfingsten wird 50 Tage nach Ostern zum Gedenken an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die zwölf Apostel gefeiert. Dadurch wurden sie befähigt, in allen Sprachen das Evangelium zu verkünden.

Die bärtige und gekrönte Gestalt in der schwarzen Höhle am unteren Bildrand ist als „Kosmos“ bezeichnet und steht für die Welt, der die Apostel das Evangelium bringen. Dieses wird durch die zwölf Schriftrollen im Schoß des „Kosmos“ symbolisiert.

Obwohl die Anwesenheit der Muttergottes in der Apostelgeschichte nicht ausdrücklich erwähnt wird, wurde sie schon auf den frühesten Pfingst­darstellungen inmitten der Apostel wiedergegeben. Ihr herausgehobener Platz in der Mitte macht deutlich, dass sie als Verkörperung der Ecclesia, der an Pfingsten gegründeten Kirche, zu verstehen ist.

Hl. Isaakios vom Dalmatos-Kloster, Russland, nach 1861

"Ikone des Monats" Mai 2017: Hl. Isaakios vom Dalmatos-Kloster

 

Am 30. Mai ist der Gedenktag des selten dargestellten hl. Isaakios vom Dalmatos-Kloster in Konstantinopel, der im 4. Jahrhundert lebte. Der

30. Mai war auch der Geburtstag des russischen Zaren Peter des Großen, der Isaakios deshalb zum Patron der Romanov-Dynastie bestimmte.  Ihm zu Ehren ließ Zar Peter in der 1703 gegründeten neuen Hauptstadt Sankt Petersburg die berühmte Isaakij-Kathedrale bauen.

In den oberen Ecken sind zwei „Nebenikonen“ eingefügt: links Christus mit dem Abendmahlskelch, rechts die „Muttergottes Unerwartete Freude“. 

Besonders interessant ist die lange Inschrift unten, in der die Abschaf­fung der Leibeigenschaft am 3. August 1861 durch den Zaren Aleksandr II. gepriesen wird. Inschriften mit politischem Inhalt sind auf Ikonen äußerst rar.

Die neun Märtyrer von Kyzikos, Russland (Palech), um 1800

"Ikone des Monats" April 2017: Die neun Märtyrer von Kyzikos

 

Die neun Märtyrer erlitten ihr Martyrium unter Kaiser Diokletian in den Jahren zwischen 284 und 292 in Kyzikos auf einer Halbinsel am Südufer des Marmarameeres, wo die erste christliche Gemeinde bereits unter Paulus entstand. Während der Christenverfolgungen flohen viele Christen, andere verheimlichten ihren Glauben, so dass Kyzikos gegen Ende des 3. Jahrhunderts überwiegend heidnisch war. Neun Christen unterschiedlichen Alters und Berufes jedoch standen offen zu ihrem Glauben und versuchten, andere Bürger der Stadt zu bekehren. Sie wurden gefangen genommen, und als sie sich auch unter der Folter weigerten, ihren Glauben zu widerrufen, wurden sie enthauptet.

Ihr Gedenktag ist der 29. April.

Die Verkündigung an Maria, Griechenland (Kreta), 2. Hälfte 15. Jh.

"Ikone des Monats" März 2017: Die Verkündigung an Maria

 

Das Fest der Verkündigung an Maria, das am 25. März – also genau neun Monate vor der Geburt Christi – gefeiert wird, gehörte schon früh zu den Hauptfesten der Kirche. Denn der Augenblick, in dem Maria dem Ratschluss Gottes zustimmte, aktiv an der Erlösung der Menschheit teilzunehmen, gilt als Augenblick der Inkarnation, der Menschwerdung Christi.

Das Grundschema der nur wenig variierten Darstellung bildet immer die Zwiesprache zwischen dem von links heranschreitenden Erzengel Gabriel und der sitzenden oder stehenden Maria.

Hl. Prophyrios von Gaza, Russland, Anfang 20. Jh.

"Ikone des Monats" Februar 2017: Hl. Prophyrios von Gaza

 

Auf der Ikone ist der hl. Bischof Porphyrios von Gaza dargestellt, dessen Gedenktag der 26. Februar ist. An diesem Datum starb er im Jahre 421. Porphyrios lebte zuerst als Einsiedler in Ägypten und am Jordan und wurde 396 gegen seinen Willen zum Bischof von Gaza geweiht. Er ließ dort alle noch existierenden heidnischen Tempel und Götterbilder zerstören.

Auf der in akademischem Stil gemalten Ikone kniet Porphyrios vor einem geöffneten Flügelaltar mit vier Geburtsdarstellungen: von Johannes dem Täufer, der Muttergottes, Christi und des hl. Nikolaus.

"Ikone des Monats" Januar 2017: Die Taufe Christi

 

Alle vier Evangelien berichten von der Taufe Christi im Jordan durch Johannes, bei der der Heilige Geist in Gestalt einer Taube erschien und eine Stimme vom Himmel herab die Worte sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“.

In diesen Worten sah die Kirche die erste Offenbarung des göttlichen Wesens Christi. Deshalb nennt man das Fest der Taufe am 6. Januar Theophanie, die Erscheinung Gottes.

In der Mitte der Ikone steht in dem von hohen Felsen begrenzten Jordan Christus, der nur mit einem Lendentuch bekleidet ist. Vom linken Uferrand beugt sich Johannes herab, um ihn mit der Geste des Handauflegens zu taufen. Am anderen Ufer neigen sich vier Engel mit ehrfürchtig verhüllten Händen vor dem Sohn Gottes, über dessen Haupt in einem kleinen Medaillon die Taube als Symbol des Heiligen Geistes schwebt.

In den Fluten zu Füßen Christi ist die allegorische Gestalt des Jordan in Gestalt eines antiken Flussgottes mit einem Krug in der Hand wiedergegeben. Christus segnet ihn mit der ausgestreckten Rechten.

Hl. Nikolaus mit 14 Szenen aus seinem Leben, Nordrussland, Ende 15. Jh.

"Ikone des Monats" Dezember 2016: Hl. Nikolaus mit 14 Szenen aus seinem Leben

Der hl. Nikolaus wurde um 270 in Patras in Lykien (Kleinasien) geboren und starb um das Jahr 342. Er war Bischof von Myra und wird wegen der zahlreichen Wunder, die ihm zugeschrieben werden, als „heiliger Wundertäter“ in der gesamten Christenheit hoch verehrt. Seine Reliquie wurde 1087 in Myra geraubt und nach Bari in Apulien überführt.

Auf dieser Ikone ist Nikolaus nach dem Vorbild des Nikolaus von Zarajsk genannten Gnadenbildes mit ausgebreiteten Armen dargestellt. Er segnet mit der rechten Hand und hält in der linken das Evangelienbuch. Er ist von vierzehn Bildfeldern mit Szenen aus seinem Leben und seiner Wunder umgeben.

Der Gedenktag des hl. Nikolaus ist der 6. Dezember.

Vogel, Ägypten, 6. – 7. Jh.

"Ikone des Monats" November 2016: Vogel

 

Der Vogel – wohl ein Adler – stammt möglicherweise aus demselben Wandbehang oder Vorhang in Noppentechnik wie ein Reiter, der sich ebenfalls in der Koptischen Abteilung des Ikonen-Museums befindet. Solche großen Behänge waren in Register unterteilt, wobei die Vögel in den oberen Registern unter Arkaden erscheinen.

Im Schnabel hält der Vogel ein Efeublatt oder eine Traube, um den Hals trägt er eine Bulla mit rotem Kreuz an einer Kette. Dem Adler wird vor allem eine schützende Funktion zugeschrieben.

Hl. Demetrios, Nordrussland, 2. Hälfte 16. Jh.

"Ikone des Monats" Oktober 2016: Hl. Demetrios

Der hl. Demetrios erlitt sein Martyrium im Jahre 306 unter Kaiser Maxi­mi­nianus in Sirmium. Das Zentrum seiner Verehrung ist die nordgriechi­sche Stadt Thessaloniki, wo ihm zu Ehren bereits im 5. Jahrhundert eine große Basilika erbaut wurde.

Im Jahre 1207 soll Demetrios Thessaloniki vor einem Angriff des bulga­rischen Zaren Kalojan gerettet haben. Des­halb wird er oft als Reiter dargestellt, der mit seiner Lanze einen gekrönten Mann tötet. Relativ selten wird auch Zar Kalojan auf einem Pferd reitend wiedergegeben wie auf dieser Ikone.

Die großformatige Ikone war wahr­scheinlich die Patrionatsikone einer dem hl. Demetrios geweihten Kirche und befand sich in der örtlichen Reihe der Ikonostase.

Der Gedenktag für den hl. Demetrios ist der 26. Oktober.

Symeon Stylites, Russland, 17. Jh.

"Ikone des Monats" September 2016: Symeon Stylites

 

Das orthodoxe Kirchenjahr beginnt am 1. September mit dem Gedenktag des hl. Styliten (Säulenheiligen) Symeon des Älteren (389–459). Er wird als der erste Säulenheilige verehrt, da er mehrere Jahrzehnte in strenger Askese und schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt auf einer Säule lebte, um Gott nahe zu sein. Diese Säule soll ca. 18 Meter hoch gewesen sein und verfügte über eine ca. 2 Quadratmeter große Plattform, die Symeon bis zu seinem Tode niemals verließ. Von dort aus predigte er den Scharen von Pilgern, die aus der ganzen christlichen Welt zu ihm strömten. Sogar Kaiser Theodosios II. kam zu Symeon und ließ sich von ihm beraten.

Nach seinem Tod ließ Kaiser Zeno in den Jahren 476–490 ein großes Pilgerzentrum mit vier kreuzförmig um die Säule Symeons gruppierten Basiliken bauen. Es wurde Qal’at Sem’an (Festung Symeons) genannt und befindet sich im Nördlichen Kalksteinmassiv in Syrien.

Das Entschlafen der Muttergottes, Russland, Anfang 14. Jh

"Ikone des Monats" August 2016: Das Entschlafen der Muttergottes

 

Das Fest des Entschlafens der Muttergottes am 15. August ist das bedeutendste Marienfest. Da die orthodoxe Kirche der Vorstellung von der leiblichen Himmelfahrt Mariä distanziert gegenübersteht, liegt das Schwergewicht auf der Darstellung von der Aufnahme der Seele der Muttergottes in den Himmel.

Die tote Maria liegt auf einem Bett ausgestreckt, das die trauernden Apostel in zwei Gruppen umstehen. Im Zentrum erscheint Christus in einer Lichtgloriole und nimmt die in Form eines Wickelkindes dargestellte Seele seiner Mutter in Empfang, um sie dann den Engeln zu übergeben, die sie in den Himmel tragen.

Vor dem roten Vorhang, der vom Lager der Muttergottes herabfällt, ist eine Szene gemalt, die ebenfalls einer Legende entnommen ist. Ein Jude namens Jephonias eilte heran, um die Bahre umzuwerfen und die Trauerfeierlichkeiten zu stören. In diesem Moment erschien ein Engel und schlug ihm mit einem Schwert beide Hände ab. Erst als Jephonias auf den Rat von Petrus hin ein Gebet an die Muttergottes richtete, fügten sich seine Hände auf wundersame Weise wieder den Armen an.

Die Feurige Himmelfahrt des Propheten Elija, Russland (Novgorod), Anfang 17. Jh

"Ikone des Monats" Juli 2016: Die Feurige Himmelfahrt des Propheten Elija

 

In einem von zwei geflügelten Pferden gezogenen Wagen wird der Prophet Elija in einer großen Feuerwolke gen Himmel entrückt. Gleichzeitig wendet er sich seinem Jünger Elischa zu und übergibt ihm als Zeichen der Nachfolge seinen Mantel. Rechts unten ist eine Szene dargestellt, die zeitlich weit vor der Himmelfahrt liegt. Ein Engel weckt Elija mit den Worten: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!“

Von allen Propheten wurde Elija am meisten verehrt. Besonders populär wurde er dadurch, dass er im ostkirchlichen Bereich für das Wetter zuständig ist und als Schutzpatron gegen Feuer und Blitzschlag gilt

"Ikone des Monats" Juni 2016: Muttergottes von Vladimir

Muttergottes von Vladimir, Russland (Moskau), Ende 15. Jh

 

Die Ikone ist eine Kopie des Gnadenbildes der Muttergottes von Vladimir, der berühmtesten wundertätigen Marienikone Russlands. Ihr Ehrentitel „Mutter der russischen Erde“ weist auf ihren engen Zusammenhang mit der russischen Geschichte hin, die sie über Jahrhunderte begleitete und beeinflusst haben soll. Um 1131 gelangte die byzantinische Ikone als Geschenk des Patriarchen von Konstantinopel nach Kiev, von wo aus sie Fürst Andrej von Bogoljubovo 1155 nach Vladimir überführte. 1395 und 1480 soll sie Moskau vor den Tataren errettet haben.

Von 1480 bis 1917 befand sich die Ikone in der Ikonostase der Mariä-Entschlafen-Kathedrale im Moskauer Kreml, und seit 1918 ist sie in der Tret’jakov-Galerie in Moskau ausgestellt.

Die Recklinghäuser Ikone folgt dem berühmten Vorbild und zeigt wie dieses das Christuskind auf dem rechten Arm der Mutter sitzend, die ihre Wange an den Kopf des Kindes schmiegt. Christus hat den linken Arm um ihren Hals geschlungen, die rechte Hand hält er ausgestreckt. Maria hat die linke Hand vor ihre Brust erhoben.

Die heiligen Konstantin, Helena und Agathe, Russland (Rostov), 16. Jh.

"Ikone des Monats" Mai 2016: Die heiligen Konstantin, Helena und Agathe

 

Kaiser Konstantin, der von 306–337 regierte, wird in der Ostkirche wegen seiner Tolerierung des Christentums als apostelgleicher Kaiser verehrt. Er wird gewöhnlich zusammen mit seiner Mutter Helena († 330) zu Seiten eines großen Kreuzes dargestellt, das sie gemeinsam halten. Grundlage für diese paarweise Darstellung ist die Einführung eines Festtages am 21. Mai, an dem der Auffindung des wahren Kreuzes Christi durch Helena bei einer Wallfahrt ins Heilige Land gedacht wird.

Ungewöhnlich ist die Kombination der beiden Heiligen mit der hl. Agathe, die mit ihnen in keinem inhaltlichen Zusammenhang steht. Die aus Catania in Sizilien stammende Heilige erlitt ihr Martyrium während der Christenverfolgungen unter Kaiser Decius (249 –251) und wird am 5. Februar verehrt. Ihre Darstellung könnte damit zu erklären sein, dass die Ikone für eine Kirche bestimmt war, die Reliquien dieser Heiligen besaß oder dass sie auf Wunsch einer gleichnamigen Stifterin dieser Ikone hinzugefügt wurde. 

Die Größe der Ikone spricht dafür, dass sie ursprünglich als Patronatsikone in der Örtlichen Reihe einer Kirchenikonostase angebracht war.

Der Evangelist Markus, Griechenland, um 1700

"Ikone des Monats" April 2016: Der Evangelist Markus

 

Auf der Ikone ist der Evangelist Markus in halber Figur und nach rechts gewandt dargestellt. Er ist wie in der byzantinischen Kunst üblich als Mann mittleren Alters mit dunklem Haar und Vollbart in antiker Tracht gemalt. Mit beiden Händen präsentiert er eine aufgeschlagene Bibel mit dem Anfang seines Evangeliums in griechischer Sprache „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus. Wie es von dem (Propheten Jesaja) geschrieben wurde.“ Reste der Namensbeischrift finden sich in roten Buchstaben auf dem Goldgrund der Ikone.

Markus begleitete den Apostel Paulus und den hl. Barnabas auf ihren Missionsreisen nach Antiochien und Zypern. Petrus, den er in Rom traf, soll ihn nach Ägypten geschickt haben, wo er als erster Bischof in Alexandria um 67 den Märtyrertod erlitt. 829 brachten Venezianer seine Reliquien nach Venedig, wo ihm zu Ehren der prächtige Markusdom errichtet wurde. Sein Gedenktag ist der 25. April.

Die Ikone gehört zu einer Apostelreihe, von der noch elf Ikonen erhalten sind. Sie waren im Templon (der Bilderwand) einer griechisch-orthodoxen Kirche angebracht und flankierten ursprünglich eine Deesisgruppe, also Christus mit der Muttergottes und Johannes dem Täufer.

Christi Auferstehung (Höllenfahrt), Russland, Anfang 16. Jh

"Ikone des Monats" März 2016: Christi Auferstehung (Höllenfahrt)

Zum Osterbild der Ostkirche wurde schon früh die Höllenfahrt Christi, das heißt die Darstellung Christi in der Vorhölle bei der Befreiung von Adam und Eva und weiterer Gerechten des Alten Testaments. In einem Lichtschein, der auf dieser Ikone durch eine blaue Mandorla wiedergegeben ist, erscheint Christus in einem leuchtend weißen Gewand. Er steht auf den zerborstenen und über Kreuz gelegten Flügeln der Höllenpforte, deren Schlösser und Schlüssel in das Dunkel der Unterwelt hinabfallen. Christus ergreift Adam am Handgelenk und zieht ihn aus dem Grab, während Eva in rotem Gewand hinter ihm kniet und die ehrfürchtig verhüllten Hände betend erhebt. Die beiden gekrönten Gestalten hinter Adam sind David und Salomon, die von Johannes dem Täufer, dem letzten der Propheten, angeführt werden. Hinter Eva steht Moses mit den Gesetzestafeln in der Hand im Gespräch mit zwei weiteren Vorvätern. Über der Mandorla Christi halten zwei Engel das Kreuz und den Kelch und weisen so darauf hin, dass der Opfertod Christi die Voraussetzung für die Erlösung der Menschheit war.

Darstellung Christi im Tempel (Triptychon), Griechenland, um 1700

"Ikone des Monats" Februar 2016: Darstellung Christi im Tempel (Triptychon)

Im Mittelfeld des Triptychons ist die Darstellung Christi im Tempel gemalt. Nach dem Bericht des Lukas-Evangeliums (2,22–39) brachten Maria und Joseph das Jesuskind vierzig Tage nach seiner Geburt in den Tempel, um gemäß der jüdischen Vorschriften zwei Tauben für die Reinigung der Mutter zu opfern und den Erstgeborenen Gott darzustellen. Im Tempel begegneten sie dem greisen Hohepriester Symeon und der Prophetin Hanna, die Christus als den Messias erkannten. Die Bewegungsrichtung auf dieser Darstellung verläuft entgegen der üblichen Form nach links, wo Symeon das Kind aus den Händen Mariens empfängt. Das Fest wird am 2. Februar gefeiert.

Über der zentralen Darstellung ist in einem plastisch gefassten Medaillon Gottvater gemalt, links von ihm Johannes der Täufer und rechts Johannes der Evangelist.

Auf dem linken Seitenflügel ist der Apostel Petrus und darunter der Drachenkampf des hl. Georg wiedergegeben, auf dem rechten Flügel der Apostel Paulus und der hl. Demetrios von Thessaloniki, der mit seiner Lanze den bulgarischen Zaren Kalojan durchbohrt und durch sein Eingreifen die Stadt Thessaloniki 1207 vor der Eroberung durch die bulgarischen Angreifer rettete.

Girgis Al Musawwir (?): Die Taufe Christi, Syrien (Aleppo), 2. Hälfte 18. Jahrhundert

"Ikone des Monats" Januar 2016: Die Taufe Christi

Alle vier Evangelien berichten von der Taufe Christi im Jordan durch Johannes, bei der der Heilige Geist in Gestalt einer Taube erschien und eine Stimme vom Himmel herab die Worte sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“. In diesen Worten sah die Kirche die erste Offenbarung des göttlichen Wesens Christi. Deshalb nennt man das Fest der Taufe am 6. Januar Theophanie, die Erscheinung Gottes.
In der Mitte der Ikone steht Christus in dem von hoch aufragenden Felsen begrenzten Jordanfluss. Er ist nur mit einem Lendentuch bekleidet. Vom linken Uferrand beugt sich Johannes herab, um ihn mit der Geste des Handauflegens zu taufen. Am anderen Ufer neigen sich vier Engel mit ehrfürchtig verhüllten Händen vor dem Sohn Gottes, über dessen Haupt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes schwebt.
In den Fluten zu Füßen Christi sind Fische, die auf einem Seeungeheuer reitende Personifikation des Meeres sowie die des Jordan in Gestalt eines antiken Flussgottes mit einem Krug in der Hand wiedergegeben. Er flieht nicht mehr, wie es ältere Darstellungen nach Psalm 114 zeigen, sondern Christus segnet ihn mit der ausgestreckten Rechten.
Es handelt sich um eine melkitische (orientalische) Ikone aus dem 18. Jahrhundert, wofür die feinen Rankenornamente auf dem Hintergrund und der abwechselnd auf schwarzem und weißem Grund mit Ranken geschmückte Rand charakteristisch sind. Ebenso typisch für ihre Herkunft aus dem Nahen Osten ist der griechisch geschriebene Titel "Die Taufe Christi" und eine arabische Stifterinschrift aus dem Jahr 1900 auf der Rückseite, die den Ort Zahlé im Libanon erwähnt. Die Ikone kann aus stilistischen Gründen dem Maler Girgis Al Musawwir aus Aleppo zugeschrieben werden.

Die Geburt Christi, Griechenland (Kreta), 16. Jahrhundert
Die Geburt Christi, Griechenland (Kreta), 16. Jahrhundert (Detail)

"Ikone des Monats" Dezember 2015: Die Geburt Christi

Die Ikone der Geburt Christi vereinigt mehrere Ereignisse, die mit dem Weihnachtsgeschehen zusammenhängen, auf einer schmalen hochrechteckigen Tafel. Sie war sicherlich für die Festtagsreihe einer Ikonostase gemalt worden. Die Komposition folgt einer in der griechischen Ikonenmalerei weit verbreiteten Ikonographie.
Die Bildfläche ist durch ein steil aufragendes, zerklüftetes Felsmassiv gegliedert, das mit einzelnen Sträuchern bewachsen ist. Die Felsen erweitern sich im Zentrum des Bildes zu einer Höhle, in der man die korbartige Krippe mit dem gewickelten Neugeborenen sieht. Über den Rand der Krippe beugen sich Ochse und Esel gemäß der Weissagung des Propheten Jesaja (1, 3). Vor der Höhle liegt auf einem leuchtend roten Kissen die Muttergottes, gekleidet in ein Maphorion, das entgegen der ostkirchlichen Tradition von blauer Farbe ist. Sie stützt den Kopf auf ihren rechten Arm und sieht zwei Dienerinnen bei der Vorbereitung des Bades für das Kind zu. Die am linken Bildrand stehende junge Frau gießt Wasser aus einem Krug in das runde Wasserbecken. Die rechts vom Wasserbecken sitzende Hebamme hält das Kind auf ihrem Schoß und prüft mit der Hand die Wassertemperatur. Mit dem Rücken zu dem Geschehen gewandt sitzt Josef auf einem Felsen und stützt nachdenklich seinen Kopf in die Hand. Er unterhält sich mit einem alten Hirten in einem blauen Fellumhang, der manchmal als Versucher gedeutet wird, welcher Josefs Zweifel an der jungfräulichen Geburt zu verstärken sucht. Oben rechts verkündet ein Engel die Geburt Christi einem anderen, als Rückenfigur wiedergegebenen Hirten, während links die drei Magier auf ihren Pferden heran reiten. Entsprechend der abendländischen Tradition sind die Sterndeuter als Könige dargestellt. Sie werden geleitet vom Stern von Bethlehem, der von dem flachen Himmelssegment am oberen Bildrand ausgeht und dessen Lichtstrahl durch den in der Mitte geborstenen Felsen in die Geburtshöhle dringt. Dem Stern wenden sich auch die lobpreisenden Engel oben links zu.

Synaxis der Erzengel, Griechenland, um 1700

"Ikone des Monats" November 2015: Synaxis der Erzengel

Die orthodoxe Kirche feiert am 8. November das Fest der „Versammlung (Synaxis) der Erzengel“. Sie haben sich versammelt, um die Gebete der Gläubigen an Gott weiterzuleiten.

Deshalb tragen sie gemeinsam ein Medaillon mit der Büste des segnenden Christus Pantokrator, der in der linken Hand ein geschlossenes Evangelienbuch hält.

Die vollkommen symmetrisch aufgebaute Darstellung der kleinen Ikone zeigt eine große Schar von Engeln, die in mehreren Reihen hintereinander stehen und von denen teilweise nur die vergoldeten und punzierten Nimben zu sehen sind. Die beiden Engel im Vordergrund sind die Erzengel Michael und Gabriel. Sie halten lange Botenstäbe in den Händen. Die Engel sind in prächtige byzantinische Kaisergewänder gekleidet, über denen sie goldene und mit Edelsteinen besetzte Bänder, die so genannten Loroi, tragen.

Die Gesichter sind mit großer Sorgfalt ausgeführt, das Kolorit mit seinen warmen Tönen von Rot und Rosa bildet einen reizvollen Kontrast zu dem dunklen Grün und dem Gold, das ursprünglich auch die Ränder der Ikone bedeckte.

Die Ikone ist am oberen Bildrand mit roter griechischer Schrift als Synaxis ton Asomaton (Versammlung der Körperlosen) bezeichnet.

"Ikone des Monats" Oktober 2015: Maria Schutz und Fürbitte (Kirchenfahne)

Bei der Ikone handelt es sich um eine später in einen Holzrahmen eingefügte Kirchenfahne, die auf beiden Seiten bemalt ist. Auf der einen Seite sind die Heiligen Elija, Nikolaus, Ambrosius von Mailand und Paraskeva-Pjatnica dargestellt, auf der anderen ein „Maria Schutz und Fürbitte“ (russ.: Pokrov) genanntes Kirchenfest, das in Russland am 1. Oktober gefeiert wird. Sein Thema ist die Vision des hl. Andreas († 936), eines „Narren in Christo“, die diesem in Begleitung seines Schülers Epiphanias beim Sonntagsgottesdienst am 1. Oktober 911 in der Blachernenkirche in Konstantinopel zuteil wurde (unten rechts). Er sah plötzlich die Muttergottes aus der Tür der Ikonostase hervortreten und ihren Schleier, der als Reliquie in dieser Kirche aufbewahrt wurde, schützend über die Gemeinde breiten (Mitte oben). Auf dieser Ikone wird sie von dem Erzengel Michael und Johannes dem Täufer begleitet.
Mit der Darstellung dieses Schleierwunders wird gewöhnlich die des hl. Romanos verknüpft, dessen Gedenktag ebenfalls auf den 1. Oktober fällt. Romanos war der Verfasser berühmter Hymnen und lebte im 6. Jahrhundert in Konstantinopel. Er soll während seiner Zeit als Diakon an der Blachernenkirche gezwungen worden sein, trotz seiner sehr mäßigen stimmlichen Begabung ausgerechnet am Weihnachtstag in Anwesenheit des kaiserlichen Hofes und des Patriarchen seinen Hymnus vorzutragen. In seiner Not wandte er sich an die Muttergottes. Am nächsten Tag begeisterte er alle Zuhörer durch seinen unvergleichlich schönen Gesang. In der unteren Hälfte der Ikone sehen wir ihn in der Mitte in einem roten Gewand auf dem Ambo stehen. Er wendet sich an den Patriarchen und den Kaiser Leo sowie die Kaiserin, die seinem Vortrag lauschen.
Die Inschrift auf dem ockerfarbenen Hintergrund gibt den Titel der Ikone wieder: „Pokrov der allheiligen Gottesgebärerin“.

Die Kreuzerhöhung, Russland (Novgorod), Ende 15. Jahrhundert

"Ikone des Monats" September 2015: Die Kreuzerhöhung

Am 14. September wird sowohl bei den orthodoxen als auch bei den katholischen Christen das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert. Es erinnert daran, dass an diesem Tag im Jahr 320 die Kaiserin Helena, die Mutter Konstantins des Großen, bei einer Wallfahrt zu den Heiligen Stätten auf dem Berg Golgatha das wahre Kreuz Christi gefunden haben soll.

Nachdem Kaiser Konstantin in Jerusalem über dem leeren Grab Christi, dem Ort seiner Auferstehung, die Heilig-Grab-Kirche hatte errichten lassen, wurde sie am 13. September 335 geweiht. Einen Tag später präsentierte der Bischof von Jerusalem die dort aufbewahrte Kreuzrelique dem Volk. Diese „Erhöhung des Heiligen Kreuzes“ wird auf der Ikone in einer feierlichen, streng symmetrischen Komposition dargestellt: Im Hintergrund soll eine große Rundkirche mit typisch russischer Zwiebelkuppel die konstantinische Anastasis-Rotunde darstellen. Davor steht im Zentrum der Ikone Bischof Makarios von Jerusalem auf einem riesengroßen, zweistufigem Ambo mit halbrunder Rückwand. Assistiert von zwei Diakonen hält er die Kreuzreliquie empor. Der Feier wohnen Kaiserin Helena und ihr Sohn Kaiser Konstantin auf der rechten Seite sowie eine Gruppe von Sängern in ihren charakteristischen bodenlangen Gewändern und Kopfbedeckungen links bei.

Die Darstellung ist in dem für Novgorod charakteristischen Stil gemalt, der sich auf das Wesentliche beschränkt und ein helles, klares Kolorit bevorzugt, in dem ein dunkles Grün, ein leuchtendes Zinnoberrot sowie Weiß und Ocker dominieren.

Die Ikone gehörte ursprünglich zum Festtagsrang einer Ikonostase, von dem noch einige Ikonen in verschiedenen Sammlungen erhalten sind. Eine davon hängt neben der „Kreuzerhöhung“ in der 1. Etage des Ikonen-Museums. Sie hat die „Darstellung Christi im Tempel“ zum Thema.